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Geschrieben von Escapada am 26.06.2012 um 23:21:
Peruanische Kandare OHNE Löffel?
Hallo Ihr Lieben,
ich bin auf der Suche nach einer Peruanischen Kandare als Stangengebiß aber OHNE Löffel in der Mitte. Am Liebsten mit 6 Rollen aus Edelstahl. Vorschläge anderer Varianten werden aber auch gerne erstmal gesammelt.
Ich habe sowas als Ausbildungsgebiß (mit 6 Rollen) schon einmal gesehen, finde die Internetseite aber auch nach längerem Suchen nicht mehr.
Liebe Grüße!
Geschrieben von pasolady1988 am 03.09.2012 um 18:41:
RE: Peruanische Kandare OHNE Löffel?
hi escapada,
was hast du denn gegen den löffel? aus sehr langer erfahrung mit peruanischen pasos kann ich nur sagen, dass auch die schwierigsten pferde dieser rasse, und davon hatte ich so einige, mit dem gebiss mit löffel niemals probleme hatten, im gegenteil. mein als problempferd bezeichneter 17jähriger wallach hatte mit allen möglichen gebissen problemen, erst mit dem original-peruanischen gebiss geht er heute wirklich super und in wunderschöner aufrichtung. und er muss früher mit gebissen schlimme erfahrungen gemacht haben, denn ihm fehlt unten links der hengstzahn. er wurde offenbar ausgebrochen, die wurzel steckt noch drin, der entzündungsprozess ist heute abgeschlossen, aber der zahnarzt meinte, er müsse damals fürchterliche schmerzen gehabt haben. wie auch immer. jedenfalls stand er nahezu 10 jahre weggesperrt in einem verschlag, weil er als unreitbar galt. kurz bevor er getötet werden sollte, holten 2 frauen ihn da raus. er entwickelte sich in jetzt knapp 2 jahren zu einem der liebenswertesten und rittigsten pferde, die ich je hatte.
zur zeit habe ich eine mehr als schwierige paso-stute zur therapie, die wohl borroliose hat, die untersuchungsergebnisse stehen allerdings noch aus. und auch diese stute, die wie ich glaube, nie zuvor ein gebiss trug, hatte mit einer einfachen olivenkopftrense mit kupferrollen grösste schwierigkeiten, sperrte und schlug mit dem kopf, während sie sich mit dem peruanische gebiss problemlos auftrensen liess und absolut ruhig blieb.
dieses gebiss ist nicht gleichzusetzen mit den üblichen löffelgebissen. aber denke daran, dieses gebiss ist bestandteil der jato, dem peruanischen aufwendigen und schweren kopfstück. die scharniere müssen fest anliegen und dürfen nicht schlackern. du musst ein schweres kopfstück benutzen. ich nehme ein spanisches, das hat sich bewährt.
ich glaube allerdings nicht, dass es das peruanische gebiss ohne den kleinen löffel gibt.
wenn du so eines mal gesehen hast, muss das anderen ursprungs sein - denke ich mal.
peruanische pasos sind eine ganz besondere und spezielle rasse. man sollte sie auch bei uns reiten wie in ihrem ursprungsland. sie wurden in 400 jahren reinzucht auf diesen einzigartigen gang hin selektiert. wenn man traben und galoppieren will, dann gibt es dafür genügend andere rassen. der paso peruano verliert durch diese experimente seine einzigartigkeit. ich beobachte die veränderung seit jahren und es betrifft leider auch das ganz besondere wesen dieser pferde.
also ran ans gebiss, probier es einfach aus, es wird deinem pferd gefallen. und bitte immer mit leichter anlehnung reiten. dieses gebiss verlangt das.
grüsse pasolady
Geschrieben von FraukeF am 03.09.2012 um 19:43:
RE: Peruanische Kandare OHNE Löffel?
Die guten Erahrungen mit der peruanischen Kandare mit Löffel kann ich für meinen Paso-Mix, der mit allen Gebissen ansonsten Probleme hat, unwillig wird, mit dem Kopf schlägt, versucht die Zunge übers Gebiss zu strecken etc nur bestätigen. Damit läuft er super und lässt sich völlig problemlos und gerne trensen. Da diese Gebisse aber nahezu alle zu schmal für ihn sind reiten wir weiterhin mit KB.
Geschrieben von pasolady1988 am 03.09.2012 um 20:10:
RE: Peruanische Kandare OHNE Löffel?
hi,
freut mich, dass du meine erfahrungen bestätigst. es ist leider sehr schwierig, hier in deutschland grössere gebissbreiten zu bekommen. meistens sind sie 12,5 cm, hatte mit meinem anfangs auch probleme - dachte ich zumindest - aber das hat sich bei längerer benutzung seltsamerweise gebessert. er hatte an der maulseite mit dem abgebrochenen hengstzahn eine ältere quese, wohl nachbleibsel der grausamen gebisshantierung früher, die anfangs immer etwas dicker wurde nach gebrauch des vorigen gebisses (kimbel), warum jetzt die eigentlich etwas zu schmale peruanische kandarre das gegenteil bewirkt und diese quese (oder quetschung) langsam verschwindet, ist eine interessante erfahrung, selbst für mich und spricht eigentlich FÜR dieses peruanische gebiss.
aber nie vergessen: dieses gebiss immer mit stabilem kopfstück und in anlehnung benutzen, ich sah mal die zäumung mit einer einohrtrense und das pferd drehte fast durch. so geht das niemals. das gebiss hatte keinerlei fixierung und schlackerte und schlug dem armen tier gegen die zähne. ein absolutes no go!
versuch mal, in amerikanischen shops so eine kandarre zu finden, z.b. "preowned peruvian tack". da bekommt man alles vom feinsten und für kleines geld. da gibt es - woanders auch - diese kandarren bis 14,5 cm so für ca., 30 dollar. wenn dein paso-pardbred mit diesem ebiss so gut ging, lohnt sich das doch.
liebe grüsse pasolady
Geschrieben von Intiwasi am 05.09.2012 um 10:25:
Ich kenne einen Gebisshersteller in Peru, der fertigt alle möglichen Gebissvariationen an, auch die Breite ist individuel machbar. Ich habe mir auch ein Gebiss mit ganz ganz kurzem, Löffel anfertigen lassen, musste aber feststellen, das unsere Pferde allesamt mit normalem Löffel ruhiger im Maul sind und benutze es daher kaum noch.
Wenn Du magst, kann ich eine Bestellung für Dich aufgeben, ich fliege nächsten Montag wieder nach Peru und kann mich dann persönlich darum kümmern. Die Gebisse kosten ca. 40 Euro + Versand.
Geschrieben von FraukeF am 05.09.2012 um 10:31:
@ Intiwasi:
Das wäre ja perfekt, vielen Dank. Ich werde nochmal ganz genau messen und gebe dir dann Bescheid ok?
Geschrieben von Merlin am 05.09.2012 um 13:10:
@Escapada: Du fragtest nach Vorschlägen anderer Varianten: meine beiden Pasos mögen überhaupt keine Gebisse mit Löffel, sie laufen beide am zufriedensten mit einem Myler Pelham MS 04.
Habe auch noch ein Myler D-Ring MS 04 ... das ist wohl ganz "ok", aber mit dem Pelham gehen sie noch besser auch in Anlehnung.
Mein Paso Fino kennt aus USA zwar diese Löffelgebisse und er läuft damit auch "sehr leicht in der gewünschten Anlehnung" ... aber ich habe mir immer gedacht, das muss er zwangsläufig tun, um sich selbst nicht weh zu tun. Denn schon bei dem leichtesten Widerstand gegen das Gebiss drückt der Löffel doch rein mechanisch in den Gaumen oder liege ich da falsch?
Geschrieben von Intiwasi am 05.09.2012 um 13:59:
Jaein, hauptsächlich dient der Löffel beim peruanischen Gebiss dafür, das das Pferd die Zunge nicht übers Gebiss schieben kann und somit ruhiger imMaul ist. Natürlich sollte ein Pferd das auf Stange geritten wird schon einen perfekten Ausbildungsstand mit dem Bosal und der 4 Zügelphase absolviert haben, bevor man mit der Stange anfängt. Danach hat das Pfed eigendlich soweit alles gelernt, so das man die peruanische Stange wirklich mit aller feinsten Hilfen benutzen kann. Ist ein Pferd noch nicht auf diesem Ausbildungsstand oder hat der Reiter eine grobe Hand, kann es natürlich passieren, das der Löffel in den Gaumen drückt aber dann neigen die Pferde eher dazu den Kopf hoch zu werfen, um sich dem Druck zu entziehen. es bleibt für den Reiter also nicht unbemerkt.
Geschrieben von Merlin am 06.09.2012 um 12:58:
eben, die Forderung nach dem perfekten Ausbildungsstand unterschreibe ich sofort ...
Aber hier klaffen Theorie und Praxis überall auf der Welt deutlich auseinander, finde ich und für mich selbst würde ich auch nicht behaupten, dass ich meine Pferde so toll ausgebildet hätte, dass sie jederzeit in perfekter Selbsthaltung am losen Zügel gehen.
Und ich glaube, bevor mein Pferd den Kopf hochwirft, um dem Druck zu entgehen, gibt er eher anders herum nach ... ich kann ihm beim Reiten ja nicht ins Maul schauen, was da gerade wo drückt und deshalb lehne ich persönlich solche Löffelgebisse ab. Kommt natürlich auch drauf an, wie gross der Löffel ist ... bei den Finos finde ich die zum Teil echt martialisch.
Jetzt sind wir wohl auch wieder etwas abgeschweift ... "Gewalteinwirkung" über Gebisse könnte man bestimmt prima in einem extra Thread diskutieren ;-)
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