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| Original von Zambezi Wie gesagt, sollte ich nochmal ein Fohlen haben, würde ich es wohl so machen. Das eine Fohlen, das ich bereits hatte, hatte leider keinen ganz so optimalen Start, es verbrachte seinen ersten Lebensmonat zusammen mit seiner abgemagerten Mutter in einem dunklen Verschlag, bevor ich die beiden freigekauft habe. Wenn ihr wollt, kann ich euch bei Gelegenheit die ganze Story erzählen, aber das wird dann eine lange Geschichte. |
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| Original von Zambezi Ich finde es auch schön, wenn ein Fohlen mit so guter Vorbereitung ankommen darf und man sein künftiges Pferd vom ersten Moment an kennt und aufwachsen sieht. Bei mir war es völlig ungeplant. Also hier die Geschichte von meinem ersten und wahrscheinlich einzigen Fohlen: Es ist jetzt etwa 20 Jahre her, dass eine Bekannte von mir sich bei einem Pferdehändler, der damals schiffsladungsweise Criollos aus Argentinien herüberbrachte, ein Pferd anschauen wollte. Ich habe sie dabei begleitet und der Zufall wollte es, dass beim letzten Transport auch einige Peruanische Pasos und Paso-Criollo-Kreuzungen dabei waren. Eigentlich war ich nicht auf Pferdesuche, aber weil ich schon mal vor Ort war, habe ich zwei dieser Pasos Probe geritten, eine große Rappstute mit guten Gängen, aber ziemlich durch den Wind, und einen kleinen Fuchswallach, der mir ganz gut gefallen hat. Als ich den Fuchswallach wieder in den Stall zurückbrachte, hörte ich aus der hintersten Ecke ein Wiehern. Ich ging in die Ecke und dort stand in einem winzigen, vergitterten Verschlag eine kleine braune Stute mit einem wenige Wochen alten fuchsfarbenen Fohlen. Mir blutete das Herz, als ich die beiden gesehen habe. Die Stute war rappeldürr, hatte sich ihre halbe Mähne abgescheuert und viele kahle Stellen am ganzen Körper, ein Bild des Jammers. In der Box stank es bestialisch, offensichtlich war schon länger nicht mehr ausgemistet worden, die beiden Pferde machten den Eindruck, als wären sie schon seit Wochen nicht mehr nach draußen gekommen. Ich habe den Händler gefragt, ob ich die Stute reiten kann, mit dem Hintergedanken, dass die beiden mal raus und an die frische Luft kommen. Die Stute wurde gesattelt und ich hab sie ein paar Runden geritten, wenn man das so nennen kann ... obwohl sie so dünn und entkräftet war, rannte sie wie um ihr Leben. Meine Freundin hat an dem Tag kein Pferd gefunden und ich wollte eigentlich keins ... aber ich habe es nicht fertiggebracht, die beiden dort zu lassen. Ich habe meine letzten Ersparnisse zusammengekratzt, die beiden für viel zu viel Geld gekauft und eine Woche später standen sie bei meinem Fino-Wallach im Offenstall. Keine optimalen Bedingungen für ein Fohlen, aber die Stute hätte ich nicht auf eine große Koppel stellen können, denn sie war anfangs sehr scheu und ließ sich schwer einfangen und ihre Hautkrankheit musste behandelt werden. Die ersten Tage durften die beiden erst mal ankommen und Licht, Luft und Sonne genießen. Die Stute bekam erst mal so viel Heu, wie sie fressen konnte, Gras und später auch Kraftfutter, sie wurde dem TA vorgestellt und täglich gewaschen und eingeschmiert. Nach zwei Wochen sah sie schon viel besser aus und wurde auch langsam zutraulicher. Das Fohlen fasste relativ schnell Vertrauen und bald war nichts mehr auf dem Hof vor ihr sicher, alles wurde neugierig begutachtet und mit Lippen und Zähnen untersucht. Die Kleine liebte es, gekrault zu werden, und forderte mich regelrecht dazu auf. Bald ließ sie sich am ganzen Körper berühren und wir übten Hufe hochheben und Halfterführigkeit. Nach einer Weile folgte sie mir sehr schön am Halfter, wurde immer unabhängiger, ließ sich auch mal von der Mama wegführen und zeigte sehr schönen Tölt mit etwas Termino. Nach längerer Recherche konnte ich den Züchter der Stute in Argentinien ausfindig machen und sogar herausfinden, dass der Vater des Fohlens ein Paso-Peruano-Fuchshengst war, der in Argentinien auch schon so einiges gewonnen hatte. Zwar war es damals nicht möglich, Papiere für das Fohlen zu bekommen, aber die peruanische Abstammung war unverkennbar. Beide Stuten konnte ich nicht behalten, das ließ meine finanzielle Lage nicht zu, und bei der Mutterstute war abzusehen, dass es noch einige Zeit dauern würde, bis aus ihr ein gut genährtes, zutrauliches und gutes Reitpferd werden würde, also war für mich relativ schnell klar, dass ich das Stutfohlen nach dem Absetzen verkaufen musste. Die Bekannte einer Freundin war gerade auf der Suche nach einem erschwinglichen Gangpferd, schaute sich die Kleine an und verliebte sich sofort, auch weil das Fohlen so aufgeschlossen und freundlich war und sich problemlos von ihr händeln und führen ließ. Der Kauf war dann schnell abgeschlossen, das Fohlen blieb aber noch, bis es sieben oder acht Monate alt war. Abgesetzt habe ich es nie, das hat die Mutterstute selber erledigt. Irgendwann hat sie die Kleine einfach nicht mehr rangelassen. Dann kam der große Tag ... die Käuferin kam mit dem Hänger vorbei, ich ging mit dem Fohlen rein, alles kein Problem. Auch bei der Fahrt stand sie ruhig und wieherte kein einziges Mal. Am Bestimmungsort machten wir die Klappe auf und wollten sie rausführen, aber die Kleine guckte mit großen Augen raus, als ob sie auf einem fremden Planeten gelandet wäre und weigerte sich, auszusteigen. Das war eigentlich das einzige Mal, dass ich den Eindruck hatte, dass sie mit einer Situation überfordert war. Die Käuferin holte dann eine ihrer zwei Stuten und ließ sie draußen vor dem Hänger grasen. Irgendwann siegte bei der Kleinen dann doch die Neugier und sie entschloss sich, den Hänger zu verlassen. Bei der Käuferin stand sie erst mal den Winter über mit den zwei älteren Stuten im Offenstall hinter dem Haus, über den Sommer kam sie auf eine Fohlenweide und im Winter wieder in den Offenstall. Sie hatte also viel Kontakt mit Menschen und war in den normalen Alltag eingebunden, später lief sie dann regelmäßig als Handpferd mit und wurde mit dreieinhalb Jahren langsam angearbeitet und angeritten. Leider verlief der Kontakt mit der Käuferin im Lauf der Zeit im Sand, aber ich habe noch mitbekommen, dass aus meinem Fohlen ein freundliches, völlig unkompliziertes, naturtöltendes Familienpferd wurde. Ich musste damals aufgrund der Umstände viele Kompromisse machen, ich selber hatte viel weniger Pferdeerfahrung als heute und praktisch null Ahnung von Fohlenerziehung, das Fohlen hatte keine Gesellschaft von Gleichaltrigen, bevor es ein Jährling war. Hinzu kam noch, dass die Mutterstute eher scheu und ängstlich war, wobei ich sicher bin, dass das nicht an ihrem Charakter lag, sondern daran, dass sie praktisch wild aufgewachsen war, wie es in Argentinien üblich ist, und später keine angenehmen Erfahrungen mit dem Menschen gemacht hat. Das Fohlen bzw. Jungpferd wurde über längere Phasen hinter dem Haus mit Familienanschluss gehalten und relativ früh angeritten. Aus heutiger Sicht würde ich sagen, das waren alles andere als optimale Voraussetzungen, trotzdem wurde ein sehr nettes Reitpferd aus dem Stütchen, was sicher zu einem großen Teil ihrem von Natur aus freundlichem, unkompliziertem Charakter geschuldet war. Und letzten Endes war diese nicht ganz ideale Aufzucht mit zu viel "Arbeit" sicherlich viel besser als die beiden in ihrem Loch zurückzulassen. Über die ideale Fohlenhaltung und -aufzucht kann man viel philosophieren, aber am Ende des Tages ist das graue Theorie, wenn man vor so einer Situation steht, die Praxis sieht halt oft ganz anders aus und wenn man keinen eigenen Stall hat, in dem man seine Idealvorstellungen umsetzen kann, ist man oft gezwungen, Kompromisse einzugehen. Das Leben an sich ist nicht immer perfekt, man kann nur versuchen, das Beste aus einer Situation zu machen. |
Danke dafür.
, es gibt ja doch immer mal Pferde, die haben Glück im Unglück.
Ich finde es toll, dass es Menschen gibt, die Mühe, Risiko und Geld in die Hand nehmen, um einem, oder hier sogar zwei Pferden eine schöne Zukunft zu ermöglichen.
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