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Geschrieben von Svalin am 26.11.2014 um 13:22:

 

Zitat:
Original von Gáski
Svalin, tut mir leid, aber das kann ich so nicht stehen lassen. Unsere heutige Reitlehre basiert zum größten Teil auf den Erkenntnissen von Xenophon und wenn man diese gelesen hat, erscheinen einem seine Ansichten sehr modern. Insofern hatte man damals durchaus viele Erkenntnisse zur Verfügung, die in moderneren Zeiten erst wiederentdeckt werden mussten.

Man muss übrigens nicht so weit zurückgehen, denn es gibt durchaus Filme der Ausbildung von Kavalleriepferden aus den 20ziger Jahren des letzten Jahrhunderts. Da sieht man sehr eindrucksvoll, wie qualitätsvoll und langwidrig deren Ausbildung im Gegensatz zur heutigen Zeit war. Der Begriff "Remonte" stammt auch aus diesen Zeiten, denn damals war ein Pferd mit 6 Jahren noch Nachwuchs und wurde entsprechend behandelt. Wenn ich heute 3-jährige Warmblüter sehe, die L-Lektionen und mehr gehen, oder der ganzen FIZO-Zirkus mit teilweise 5-jährigen Isländern, dann ist heute wohl kaum alles besser. Der preussische General Seydlitz beklagte mal in einem interessanten Schriftstück, dass die Pferde damals schon vor dem 30-zigsten Lebenjahr deutlich an Arbeitskraft eingebüsst hätten, was er für einen Qualitätsverfall in der Zucht gehalten hat. Davon sind wir wohl weit entfernt. Der Unterschied ist wohl, dass Pferde zum Glück nicht mehr in Kriegen dahingeschlachtet werden, aber das bekommen viele Reiter durchaus auch so hin, wenn man sich das heutige Durchschnittsalter der Reitpferde so ansieht. Früher müssten sie mehr leisten, waren aber irgendwie in der Mehrzahl auch gesünder als heute - möglicherweise weil sie intensiver genutzt wurden und nicht meist übergewichtige "Wohlstandsprodukte" waren.

Offensichtlich weißt du da viel besser bescheid als ich.
Danke für die Aufklärung. Immer nett, wenn man was dazulernen kann smile



Geschrieben von Ragna am 26.11.2014 um 13:56:

 

À propos Ernährungszustand im Mittelalter: Vor dem ersten Ausbruch der Pest in Europa ab 1347 und/oder vor der "Kleinen Eiszeit" (Anfang 15. Jh. bis ins 19. Jh.) waren normale Menschen (keine Adligen) oft besser und vielseitiger ernährt als später, wie Skelettfunde zeigten.



Geschrieben von rivera am 26.11.2014 um 14:44:

 

Zitat:
Original von Effie

Für mich als Laien ist das mit dem Röhrbeinumfang messen vielleicht gar nicht mal schlecht, denn ich bin sehr schlecht in der Gebäudebeurteilung. Ich sehe nur die Extremfälle oder höchstens mal, ob der Hals gut aussieht, wobei ich dann manchmal nicht weiß, was mich genau stört. Aber bei dem Rest hört's auf.

Gibt es eigentlich auch so etwas wie einen 'Pferdekaufberater'? Natürlich habe ich auch eine Reitlehrerin, weiß aber nicht, ob die so neutral ist, da der Hof selbst Pferde verkauft...

Effie


ein guter schriftlicher "verkaufsberater" ist das buch "Handbuch Pferdebeurteilung" von Michael Schäfer, das kann ich dir wärmstens ans herz legen, nicht nur, weil du dich selbst im punkt beurteilung als nicht so kundig outest.
sehr gut geschrieben, von der pike auf erklärt... für jeden pferdemenschen interessant.
trotzdem ist es natürlich wichtig, einen kompetenten menschen, der neutral ist, dich kennt und entsprechend berät, bei der späteren pferebesichtigung dabei zu haben.



Geschrieben von Zambezi am 26.11.2014 um 15:34:

 

Zitat:
Original von Bylgia
@Gaski: Ebenfalls OT: aber ich muss Smartie zustimmmen: Wie interessant!

Hast du Links dazu, wo man sich etwas einlesen kann?


Bylgia, ich hatte vorher im Thread bereits diesen Link gepostet:
http://www.schaunberg.de/Verein/historische%20darstellung/pferde.htm

Hier noch zwei weitere:
http://www.zeitfuerpferde.de/home/ritterpferde/der-mythos-vom-ritter-und-seinem-pferd-teil-1/
http://www.brandenburg1260.de/pferd-im-ma.html

Dass die Kavallerieausbildung Anfang des 20. Jahrhunderts besser und fundierter war als die Ausbildung teilweise heutzutage, seh ich auch so, dazu muss man sich nur mal die HdV12 ansehen. Inwieweit das mit der Pferdeausbildung im Mittelalter etwas zu tun haben sollte, erschließt sich mir nicht. Im 1. WK war man weder mit einer Ritterrüstung noch mit 20 cm langen Rädchensporen unterwegs großes Grinsen

Im Durchschnitt waren die Pferde im MA weder besser ausgebildet als heute noch hatten sie ein besseres Gebäude. Das mag auf die wenigen Pferde zutreffen, die sich im Besitz von Adligen oder anderen privilegierten Ständen befanden, denn die hatten das Geld, um sich gut gebaute, "große" (d.h. 145-150 cm Stm.) Pferde leisten zu können (die auch mal das Zehnfache eines "normalen" Pferdes kosten konnten) und die Zeit, um die Pferde in irgendeiner Art und Weise auszubilden. Das große Heer der Arbeitspferde, die vorrangig auch nicht zum Reiten, sondern als Pack-, Saum- und Zugtiere eingesetzt wurden, genoss mit Sicherheit weder eine besonders hochwertige Ausbildung noch hatten sie ein besseres Gebäude. Woher auch? Eine geplante Zucht fand damals nur in sehr begrenztem Rahmen statt und wer hätte das Gebäude beurteilen sollen?

Auf zeitgenössischen Gemälden bekommt man eigentlich einen ganz guten Eindruck vom Größenverhältnis. Die Menschen sollen eine Größe von um die 170 cm gehabt haben und die Pferde hatten, wie es durch Knochenfunde belegt ist) ein Stockmaß von 135-145 cm und dürften, was Größe und Typenvielfalt angeht, den heutigen Islandpferden relativ ähnlich gewesen sein.



Geschrieben von Rezo am 26.11.2014 um 16:10:

 

öhm zambezi, drum hab ich ja extra REITpferde geschrieben Augenzwinkern dass ein pflugpferd keine levaden machen musste, ist ja klar...

und doch, die reitpferde und menschen in der barockzeit, waren 100x besser ausgebildet als unsere heutigen freizeittierchen und reiter.



Geschrieben von Bylgia am 26.11.2014 um 16:10:

 

@Zambezi: Merci ^^
Ich habe mir schon das Buch über "The Medieval Horse and its Equipment" gesucht und gefunden.

Ich meinte mehr über das schlafen im sitzten (habe ich bis jetzt noch nie gehört).

Aber jetzt fertig OT *duck-und-weg*



Geschrieben von Zambezi am 26.11.2014 um 16:29:

 

Zitat:
Original von Antifo
öhm zambezi, drum hab ich ja extra REITpferde geschrieben Augenzwinkern dass ein pflugpferd keine levaden machen musste, ist ja klar...

und doch, die reitpferde und menschen in der barockzeit, waren 100x besser ausgebildet als unsere heutigen freizeittierchen und reiter.


Antifo, die Barockzeit (und die Barockreiterei, die Du vermutlich meinst) hat nichts, aber schon rein gar nichts mit dem Mittelalter zu tun großes Grinsen
Die Barockzeit und die Barockreiterei sind im 17./18. Jhdt. angesiedelt.
Mittelalter ist 6. -15. Jhdt., die Ritterzeit im Spätmittelalter, etwa im 13./14. Jhdt.

400 Jahre mehr oder weniger machen schon einen gewissen Unterschied, nicht nur, was die Ausbildung der Pferde anbelangt, sondern auch die Pferdetypen ... großes Grinsen

Ein Karrengaul ist wahrscheinlich repräsentativer für das Mittelalter als ein Ritterpferd, weil bei Weitem zahlreicher. Die Ritterpferde haben auch ganz bestimmt keine Levaden gemacht. Erstens wäre es kaum sinnvoll gewesen und mit 130-140 Kilo Gewicht auf dem Rücken dürften solche Lektionen ziemlich schwierig sein.



Geschrieben von Ragna am 26.11.2014 um 16:42:

 

Hmm, ich bin gar nicht so sicher, ob das gemeine Landvolk schon spezielle "Ackergäule" hatte. Bzw. war die Verwendung von Pferden vorm Pflug eine der größten Verbesserungen im Ackerbau im ausgehenden Mittelalter. Zuvor waren Ochsen vor den Pflug gespannt worden. Pferde sind wesentlich einfacher und wendiger im Handling und ermöglichen die Bearbeitung von mindestens doppelt soviel Ackerfläche wie mit Ochsen, zudem lassen sich Pferde bis zur Erschöpfung antreiben, während Ochsen sich einfach hinlegen, wenn sie genug haben. So habe ich's neulich in einer BBC-Dokumentation gelernt. Aber dass es schon spezielle schwere Rassen für Ackerbau und Zug gegen Ende des Mittelalters gegeben hat, bezweifle ich.



Geschrieben von Zambezi am 26.11.2014 um 17:04:

 

Ragna, das bezweifle ich auch ... ich hab ja schon weiter oben geschrieben, dass schwere Pferde erst viel später gezüchtet wurden, speziell für die Verwendung im schweren Zug, auch vor dem Pflug. Das ist der Zweck, für den Kaltblutpferde einzig und allein gedacht waren. Ritterpferde, geschweige denn Reitpferde waren sie nie, weil es sie im Spätmittelalter noch gar nicht gab.

Von Ackergäulen im Mittelalter war bei mir nicht die Rede, sondern von Pack-, Saum und Zugpferden. fröhlich

Die Reiterei und die Pferde(zucht) im Wandel der Zeit ist ein sehr interessantes Thema, hätte eigentlich eine eigene Box verdient.



Geschrieben von Rezo am 26.11.2014 um 17:37:

 

Zitat:
Original von Zambezi
Zitat:
Original von Antifo
öhm zambezi, drum hab ich ja extra REITpferde geschrieben Augenzwinkern dass ein pflugpferd keine levaden machen musste, ist ja klar...

und doch, die reitpferde und menschen in der barockzeit, waren 100x besser ausgebildet als unsere heutigen freizeittierchen und reiter.


Antifo, die Barockzeit (und die Barockreiterei, die Du vermutlich meinst) hat nichts, aber schon rein gar nichts mit dem Mittelalter zu tun großes Grinsen
Die Barockzeit und die Barockreiterei sind im 17./18. Jhdt. angesiedelt.
Mittelalter ist 6. -15. Jhdt., die Ritterzeit im Spätmittelalter, etwa im 13./14. Jhdt.

400 Jahre mehr oder weniger machen schon einen gewissen Unterschied, nicht nur, was die Ausbildung der Pferde anbelangt, sondern auch die Pferdetypen ... großes Grinsen

Auch ein Karrengaul ist im übrigen ein Pferd und bestimmt repräsentativer für das Mittelalter als ein Ritterpferd, weil bei Weitem zahlreicher. Die Ritterpferde haben auch ganz bestimmt keine Levaden gemacht. Erstens wäre es kaum sinnvoll gewesen und mit 130-140 Kilo Gewicht auf dem Rücken dürften solche Lektionen ziemlich schwierig sein.


hm ich dachte mittelalter ging bis ca. 18jhdt, mir ging es halt einfach um die zeit, als pluvinel, gueriniere, newcastle usw. lebten. ich hab auf alle fälle von dieser zeit gesprochen, dann hiess es meinetwegen halt nicht mittelaltersmile



Geschrieben von Blesa am 26.11.2014 um 17:38:

 

Hier sitze ich übrigens auf meine 142cm Stute, ich selber bin 178cm groß und auch keine Elfe Augenzwinkern






Geschrieben von Finja am 26.06.2015 um 23:37:

 

Haben Isländer vom ,,alten Schlag" dann auch wegen der kompakteren Form einen kürzeren Rücken?
Wäre ja blöd, wenn man sich so ein Tier als Gewichtsträger aussucht und dann aber kein Sattel Pferderücken und Reiterpopo passt. Nur mal so eine Überlegung...



Geschrieben von Hoan am 28.06.2015 um 23:23:

 

Rücken zu kurz oder Popo zu dick (frei nach Dr. Heuschmann) - das ist oft ein Problem... Wobei man das nicht auf den "alten Schlag" reduzieren darf, auch mit den modernen Isitypen gibt es das Problem. Enorm lange, schräge, weit über den Rumpf reichende Schultern verlangen nach entsprechend weiter "hinten" plazierten Sätteln. Da wird es dann auch schnell knapp mit dem Platz für eine 18er Sitzfläche. Und die brauchen mehr Reiter(-innen!), als sie glauben.
Lange Oberschenkel reichen (ausser man reitet mit überstrecktem Bein (und blockierter Hüfte), da muss der Popo garnicht sooo dick sein.



Geschrieben von Funny_Girl am 29.06.2015 um 09:27:

 

Zitat:
Original von Finja
Haben Isländer vom ,,alten Schlag" dann auch wegen der kompakteren Form einen kürzeren Rücken?
Wäre ja blöd, wenn man sich so ein Tier als Gewichtsträger aussucht und dann aber kein Sattel Pferderücken und Reiterpopo passt. Nur mal so eine Überlegung...


Ich besitze keinen Isi, aber einen Hafi, der sehr groß (Stm 150 cm) und auch sehr kompakt ist, er steht eher im barocken Typ.
Auf ihn passt problemlos ein 18 "-Sattel, der Sattler war ganz begeistert, endlich einen Hafi mit vernünftiger Sattellage vor sich zu haben.
Also kompakt und "langer" Rücken schließen sich keineswegs aus.

Hier sieht man ihn mit seinem 18er Kieffersattel Modell Aachen (ich brauche auf Grund meiner langen Beine die Bügel länger, hier sind sie auf meine Nichte, die an diesem Tag geritten ist, eingestellt - deswegen auch die Bandagen...bei mir kommen die Sehnenschoner dran, aber Mädels halt.... fröhlich )


[img][/IMG]



Geschrieben von Pelle am 04.09.2015 um 20:11:

 

Meine Stute vom alten Schlag hat einen supertollen Rücken, ein richtiges Familienpferd. Da passen auch zwei Kinder drauf. Sowas sucht man heute meist vergeblich.



Geschrieben von Gosa am 04.09.2015 um 20:51:

 

Zitat:
Original von Helmingur

So weit ich weiß, bekommen ungerittene Pferde keinen Spat.
(niemals würde ich nicht sagen)
Ich muss mal meine Quelle dazu suchen gehen, aber ich habe das als Nutzungsproblem im Kopf.


Die ehemalige Stute meiner Schwester bekam Spat bevor überhaupt jemand auf ihrem Rücken saß...





Wie findet Ihr uns?
Ich finde Gáta ist eine zierliche Isländerin.
Was sagt Ihr zu ihren Beinen?
Ihr Rücken ist kurz. Der Sattel ein Prydi.


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